Bildende Kunst und Musik
„Bildende Kunst“ ist eine übliche Bezeichnung. Sie provoziert allerdings die Frage:
Ist Musik NICHT bildend?
Worin erkennen wir Gemeinsamkeiten unter dem Begriff „ Kunst“?
Worin erkennen wir Unterschiede?
Einen analytischen Versuch und eine systematische Perspektive will ich in gebotener Kürze versuchen.
Ich beziehe meine Überlegungen schwerpunktmäßig und einschränkend auf die pädagogische Relevanz - von heute (?).
Kunst ist ein Gestaltungsbereich des Lebens. Ich meine eine Lebensnotwendigkeit, eine Art menschlicher Luxus, aber trotzdem eine Notwendigkeit. Luxus
heißt zwar Überfluß, aber in gewissen Maßen ist Überfluss notwendig.
Denn: Kunst erlaubt erst Menschsein.Kunst ist gebunden an Sinnlichkeit, ist gebunden an Ideen, an Gestaltungskraft, an Emotionen, an Formungswillen u. a. m. Sie fordert eine ganzheitliche Bildung.
Worin unterscheiden sich „Bildende Kunst“ und „Musik“, worin erkennen wir Gemeinsamkeiten?
Die Disziplinen der Kunst haben einen Kern, bei allen begrifflichen Unterschieden. Kunst kann als gestaltetes Material verstanden werden. Grundlagen sind: Eine künstlerische Idee, erlebte Gefühle, strahlende Emotionen und handwerkliches Können.
Unterschiedliche Begabungsqualität und unterschiedliche Fertigkeiten sind gegeben, damit auch Voraussetzung pädagogischer Einsicht und konkreter Hilfe.
Über fundamentale Gemeinsamkeiten müssen wir Unterschiede nicht nur in der sinnlichen Wahrnehmung, sondern auch in den Existenzformen und insbesondere
im Zeitphänomen feststellen.
Die „Bildende Kunst“ geht von einer Idee aus; materialisiert diese und führt zum Produkt, z. B. dem Bild. Der Entstehungsprozess ist zeitgebunden, das Produkt nicht. Der Prozess der Wahrnehmung ist wiederum zeitgebunden. Das Ergebnis ist jedenfalls ein einmaliges Produkt.
Die eigentliche Existenzform der Musik ist der Prozess. Damit verbunden die Präzision der Aktivität, sowohl zeitlich als auch inhaltlich. Es werden hohe Forderungen an die Kommunikationsqualität und die Interaktionspflicht gestellt.
Das Ergebnis des Musizierens ist meist eine aktualisierte und im Prinzip veränderte Wiederholung eines Kunstwerkes. Musikmachen fordert in hohem Grad: Gemeinschaft, Rücksichtnahme, gemeinsames Zeitempfinden, Gehör wie auch emotionale Gleichstimmung und Aussagekraft. Eine möglichst perfekte Motorik des Augenblicks is
