MARTIN MARIA KRÜGER
Präsident des Deutschen Musikrates

Brücken braucht unser Land

Der Deutsche Musikrat steht für Verständigung nach innen und außen

Die gesellschaftlichen Entwicklungen weisen Gegenläufigkeiten auf, die einerseits durch immer größere Zusammenhänge und Verbünde geprägt sind, andererseits aber auch tiefer werdende Gräben offenbaren. Dass Europa zusammenwächst, ist gut und wichtig für unser Gewicht in der Weltgemeinschaft. Andere Kulturen in unserem Land als Zugewinn zu betrachten, ist uns noch nicht in dem Maße gelungen, wie es für das friedliche Zusammenleben notwendig ist. Deshalb wird der Deutsche Musikrat das kommende Jahr mit den zwei Themenschwerpunkten „Kulturelle Identität interkultureller Dialog“ und „Musikvermittlung“ begleiten. Die Strategiekommission des Deutschen Musikrates hat unter der Leitung ihres Vorsitzenden Christian Höppner die kommenden Wegemarken skizziert. Dabei bildet dieser permanente Prozess der Neujustierung unserer strategischen Ausrichtung den roten Faden für unser Handeln vom Tagesgeschäft bis zur Definition von (fernen) Zielen.
Der Deutsche Musikrat kann als Dachverband von der Position seiner gesamtgesellschaftlichen Verantwortung aus handeln ein unschätzbarer Vorteil gegenüber den Vertretern von Partikularinteressen. Mit dem Blick für das Ganze verstärken wir selbstverständlich auch Einzelinteressen, sofern sie mit den übergeordneten Zielsetzungen des DMR korrespondieren. Über allem aber steht die Aufgabe, Brücken zu schlagen: zwischen den Kulturen, zwischen unterschiedlichen Genres, und manchmal auch im eigenen Haus zwischen unterschiedlichen Interessen. Gleichzeitig heißt dies: Alte Ab- und Ausgrenzungen endgültig überwinden, z.B. zur Popularmusik, die durch „School Jam“ erstmals mit einem eigenen erfolgreichen Projekt im Deutschen Musikrat vertreten ist. Unter dem Zeichen dieser neuen „Philosophie“ steht auch „GermanSounds das Deutsche Musikexportbüro. Ein Joint venture der deutschen Musikwirtschaft und des Deutschen Musikrates“.

So befindet sich der Deutsche Musikrat nach seiner Krise in einem hoffnungsvollen Steigflug, bei dem er bereits bildungs- und kulturpolitisch Spuren hinterlassen hat. Gemeinsam mit einigen Mitgliedsverbänden haben wir vor einem guten Jahr die Marke „Musik bewegt“, die seither für unser Engagement in der musikalischen Bildung steht, gebildet. Dazu haben wir einen Kongress mit dem Bundespräsidenten veranstaltet, inhaltlich-konzeptionell bei der Gestaltung des Tages „Musik für Kinder“ im Schloss Bellevue, einer Initiative von Bundespräsident Johannes Rau, mitgewirkt und gehen jetzt mit dem Kongress „Musik in der Ganztagsschule“ in Königstein (20.05.-22.05.2004) der Frage nach, wie wir die Chancen einer umfassenden musikalischen Bildung von Kindern und Jugendlichen in der Ganztagsschule gestalten und die Risiken meiden können. Zwischen diesen beiden Veranstaltungen ist es uns in diesem Jahr zum ersten Mal gelungen, auf der Frankfurter Musikmesse einen Bildungstag zu etablieren, der mit einem hochkarätigen Programm, konzeptioniert durch eine Arbeitsgruppe mit einigen Mitgliedsverbänden, die vielen Facetten und die Bedeutung musikalischer Bildung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft in eindrucksvoller Weise zeigte abgerundet durch eine herausragende Rede des Bundespräsidenten. Gemeinsam mit der Messe Frankfurt konnten wir ein erfreuliches mediales Interesse wecken, das durch den Gemeinschaftsstand und die Veranstaltungen in Halle 3.1 nachhaltigen Zuwachs verzeichnete.

„Tue Gutes und rede darüber“ ist ein Handlungsgrundsatz für den DMR, denn so wichtig die Analyse ist, so wenig hilft die Klagemauer. In der Verstärkung von Positivbeispielen haben wir in Zusammenarbeit mit der Stiftung „100 Jahre Yamaha“ den Innovationspreis „Inventio“ ins Leben gerufen, mit dem wir herausragende Initiativen auf dem Gebiet der musikalischen Bildung auszeichnen. Zu den Preisträgern, die aus der Hand des Bundespräsidenten ihre Urkunde erhielten, gehören u.a. die Verantwortlichen des Bayerischen Rundfunks für das Klassikprogramm für Kinder und Jugendliche und die Hofer Symphoniker mit ihrer beispielhaften Musikschularbeit.

Das Engagement zur Abwendung der drastischen Kürzungspläne im Bereich der Auswärtigen Kulturpolitik stand ebenso auf unserer Tagesordnung wie das sehr konstruktive Gespräch mit dem neuen Generalsekretär des Goetheinstitutes, Dr. Andreas Schlüter, und seinem Stellvertreter, Dr. Wolfgang Bader, das ich gemeinsam mit unserem Generalsekretär Christian Höppner führte. Im Zentrum unserer Erörterungen stand die Frage, wie wir künftig im Bereich der Auswärtigen Kulturpolitik, Bereich Musik, stärker kooperieren können. Hier haben sich interessante und viel versprechende Ansätze ergeben, die wir im Hinblick auf eine Kooperationsvereinbarung gemeinsam weiter verfolgen werden.

Als Dachverband des Musiklebens mit knapp 100 Mitgliedsverbänden zzglch. den 16 Landesmusikräten repräsentiert der Deutsche Musikrat rund 8 Millionen Bürgerinnen und Bürger, die sich beruflich oder als Laien mit Musik befassen. Die immer wieder aktuelle Forderung nach einem erreichbaren und bezahlbaren Bildungs- und Kulturangebot ist angesichts der Krise öffentlicher Haushalte schwerer denn je wirksam umzusetzen. Glücklicherweise verfügen wir durch die enge Zusammenarbeit und Vernetzung mit den Landesmusikräten über eine föderative Struktur, die wesentlich zum Gelingen unserer musikpolitischen Zielsetzungen beitragen kann. Darüber hinaus sind unsere Projekte über die rein inhaltliche Impulsfunktion für das Musikleben hinaus das ideale Medium zur Vermittlung musikpolitischer Botschaften.

Der Erfolg unserer Arbeit hängt wesentlich vom Geist und der Intensität der Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedsverbänden und mit dem Deutschen Kulturrat ab, wie wir bei vielen Gelegenheiten immer wieder beglückend erfahren können. Das gemeinsame Ziehen an einem Strick und zwar am selben Ende ist die ideale Grundlage für unseren Anspruch, Brücken zu schlagen.

Martin-Maria Krüger
Präsident des Deutschen Musikrates

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