DR. ULRIKE LIEDTKE
Die Konferenz der Landesmusikräte
„Kinder brauchen Musik“ heißt das im Moment wichtigste Projekt der Konferenz der Landesmusikräte. Die Forderung klingt nur allzu selbstverständlich, ist es aber leider nicht: 80% der Grundschulkinder in Deutschland erhalten gegenwärtig keinen kontinuierlichen und qualitativ ausreichenden Musikunterricht. Die Kultusminister haben vor einiger Zeit entschieden, dass anstelle des Musikunterrichts ein Fach „Ästhetische Bildung“ ausreichen könnte. Der Fächerverbund vereint unter dem Dach „Ästhetische Bildung“ Musik, Bildende Kunst, Textiles Gestalten und Darstellendes Spiel (in den Bundesländern ist der Fächerverbund unterschiedlich kombiniert). Im ungünstigsten Falle kann ein Student Ästhetische Bildung studiert und Textiles Gestalten vertieft haben, in der Schule wird er als Musiklehrer eingesetzt. Damit können wir nicht zufrieden sein.
Erste Gespräche mit Vertretern der Kultusministerkonferenz stießen auf Verständnis; Anfang des Jahres 2011 steht „Ästhetische Bildung“ noch einmal auf der Tagesordnung des Schulausschusses der Kultusministerkonferenz. Das ist ein Erfolg der Konferenz der Landesmusikräte! Einstimmig positionierte sich die Konferenz, sie unterstützt damit die Kinder, die Musiklehrer und fördert letztendlich das gesamte ästhetische Niveau in Deutschland. Sämtliche Landesmusik-
räte verständigten sich darauf, in ihrem eigenen Land aktiv zu werden, sich für den Musikunterricht an Grundschulen einzusetzen. In einem weiteren Schritt entsteht eine Studie, die wissenschaftlich fundiert feststellen soll, wie viel Unterricht tatsächlich und in welcher Qualität er gegeben wird. Dabei haben wir im Moment nur den Musikunterricht an Grundschulen im Blick, das Thema wird jedoch größer, wir werden den gesamten Musikunterricht in der Schule betrachten müssen. Es kann auch nicht sein, dass das Abitur auf dem Berufsschulwege möglich ist ohne Musikunterricht. Wer sich diesem Thema stellt, muss dranbleiben, auch wenn es Kraft, Nerven und Zeit kostet. Viele Aktionen sind in den unterschiedlichen Ländern entstanden. Z.B. „Hauptsache Musik“ des Landesmusikrats Niedersachsen, „Klasse – wir singen!“ des Landesmusikrats Bayern, „Mehr singen!“ des Landesmusikrats Hamburg oder „Klasse musiziert“ des Landesmu-
sikrats Nordrhein-Westfalen.
Wir sind auf einem guten Weg!
Neben diesem Hauptthema gibt es – wie in jeder guten Musik – eine ganze Reihe weiterer Nebenthemen, die letztendlich immer wieder mit musikalischer Bildung und der Stellung von Musik in unserer Gesellschaft zu tun haben:
Die Konferenz der Landesmusikräte hat einen einzigen Ausschuss – den Rundfunkausschuss. Hier treffen sich diejenigen Vertreter der Landesmusikräte, die in Rundfunkräten arbeiten oder als Mediensprecher ihres Landesmusikrates aktiv sind. Musik im Rundfunk und Fernsehen, die Stellung der klassischen Musik in den Medien, die Widerspiegelung der Aktivitäten von Musikräten, Konzertaufzeichnungen und die Förderung von Neuer Musik beschäftigen den Rundfunkausschuss. Sein Anliegen ist es, die Rundfunkmacher zu unterstützen, konstruktive Kritik zu äußern, die auf offene Ohren stößt und zu Veränderungen führt. Es ist uns gelungen, die ARD-Hörfunkkommission mit unseren Anliegen zu beschäftigen. Ein Vertreter der Kommission ist ständiges Mitglied im Rundfunkausschuss. So tagt der Rundfunkausschuss zweimal im Jahr in einer Rundfunkanstalt, zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften und nicht wenige Briefe an Rundfunkverantwortliche zeigen, dass wir über diese Themen nicht nur reden, sondern eigene Vorschläge einbringen.
Bleibt noch das vielleicht Wichtigste an der Konferenz der Landesmusikräte – die abendlichen Zusammenkünfte, der Gedankenaustausch über Projekte, Arbeitsverfahren, das Miteinander zwischen Landesmusikräten und Deutschem Musikrat. Eines ist inzwischen überdeutlich klar geworden: Die Landesmusikräte sind das wichtigste Fundament des Deutschen Musikrates.
Der Deutsche Chorwettbewerb und der Deutsche Orchesterwettbewerb, „Jugend musiziert“ und viele andere Projekte beginnen auf Länderebene und werden von den Landesmusikräten durchgeführt. Neu für uns ist der „Tag der Musik“, der noch viel mehr Akteure zum Singen und Musizieren bringen kann. 2011 wird er unter dem Motto „Ohne Musik keine Bildung“ in ganz Deutschland stattfinden – ein Signal für Kinder, die Musik brauchen.
Dr. Ulrike Liedtke ist Vorsitzende der Konferenz der Landesmusikräte im Deutschen Musikrat e.V. Sie ist Präsidiums-und Aufsichtsratsmitglied des DMR, Vizepräsidentin des Landesmusikrates Brandenburg und im Hauptberuf die künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der Musikakademie Rheinsberg.
