Die Landesakademie für musisch-kulturelle
Bildung e.V.
Idee und Gründung:
Wir können heute voller Stolz und Genugtuung feststellen, dass sich die Landesakademie in den 23 Jahren ihres Bestehens einen festen Platz im Bewusstsein aller musisch-kulturell interessierten Menschen in unserem Land gesichert hat. Die positive Resonanz von Benutzern und Besuchern zeigt den Verantwortlichen, dass Konzeption, Funktionalität und Atmosphäre sehr gute Arbeitsbedingungen schaffen.
Der lange Weg von der Gründung des Vereins über der Planung bis zur Fertigstellung des baulichen Gesamtensembles verlief nicht immer geradeaus! Viele Hindernisse, die teilweise unvorhersehbar auftauchten, konnten oft nur mit erheblichen Kraftanstrengungen überwunden werden. Aber auch mit Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann gebaut werden. Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg. Das Ziel wurde schließlich erreicht, weil sich alle Verantwortlichen auf dem richtigen Weg wussten und bereit waren, persönliches Engagement in den Dienst der gemeinsamen Sache zu stellen. Sie nahmen sich die Worte des römischen Philosophen und Dichters Seneca zu Herzen: „Die menschliche Gesellschaft gleicht einem Gewölbe, das zusammenstürzen müsste, wenn sich nicht die einzelnen Steine gegenseitig stützen würden.“
Wir erinnern uns gerne an die zielstrebige Überzeugungsarbeit des damaligen Präsidenten des Bundes Saarländischer Musikvereine, Rainer Schnubel, der im Oktober 1982 mit seiner Konzeption „Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung“ an die Öffentlichkeit trat und sich vehement im Lande für die von ihm entwickelten Ideen einsetzte.
Ich zitiere aus dem Vorwort:
“Mit dieser Konzeption legt der BSM eine Standortbestimmung musisch-kultureller Vereinsarbeit vor. Sie unternimmt verbandsübergreifend den Versuch, die Rahmenbedingungen dieser Arbeit zeitgemäß zu verbessern. Es soll deutlich werden, dass die Einrichtung einer Landesakademie den notwendigen Kristallisationspunkt für die musisch-kulturelle Arbeit darstellt. Dieses erforderliche Zentrum soll den Leistungsstand der Vereine verbessern helfen, den Stellenwert dieses Bemühens deutlicher werden lassen und die Chance nutzen, die sich aufgrund der Lotto-Finanzierungsmöglichkeit in unserem Lande ergibt.“
Diese Konzeption untergliedert sich in
1. Begründung,
2. Zielsetzung und Aufgaben,
3. Zielgruppen und
Programmelemente,
4. Baulich-räumliche
Voraussetzungen und
personelle Ausstattung,
5. Trägerschaft,
6. Auslastung,
7. Finanzierung.
Sie ist mit ihren klaren, prägnanten Zielvorgaben, dem inhaltlichen Schwerpunkt aller Arbeit auf jugendspezifischer Aus-, Fort - und Weiterbildung, heute noch ganz auf der Höhe der Zeit und wird in ihrer Allgemeingültigkeit auch in Zukunft Maßstab des Wirkens aller Verantwortlichen sein.
Wir sehen: Zukunft schöpft immer aus der Vergangenheit. Nur wer die Vergangenheit kennt, wird die Zukunft meistern.
Kraft seines unbeugsamen Willens, seine Idee Realität werden zu lassen, erreichte Rainer Schnubel schließlich am 26. Februar 1985, dass sechs musisch-kulturelle Verbände (Bund Saarländischer Musikvereine, Saar-Sänger-Bund, Bund für Zupf- und Volksmusik Saar, Saarländischer Volksbühnenbund, Saarländischer Akkordeonverband und Saarländischer Volkstanz- und Trachtenverband) zusammen mit dem damaligen Minister für Kultur, Bildung und Sport, Prof. Gerhard Zeitel, den Verein „Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung“ ins Leben riefen.
Heute zählt die Landesakademie
15 Mitgliedsverbände:
• Saarländischer Chorverband
• Bund Saarländischer Musikvereine
• Bund für Zupf- und Volksmusik Saar
• Verband Saarländischer
Amateurtheater e. V.
• Saarländischer Akkordeonverband
• Saarländischer Volkstanz-
und Trachtenverband
• Deutscher Zithermusikbund
Landesverband Saar
• Saarländischer Landesverband Jazz
• Verband Deutscher Schulmusiker Landesverband Saar
• Verband Deutscher Musikschulen Landesverband Saar
• Verband Saarländischer
Karnevalsvereine
• Landesmusikrat Saar e.V.
• Chorverband in der
Evangelischen Kirche im Rheinland
• Saarländischer Rockmusikverband
• Arbeitskreis Katholische
Kirchenmusik im Saarland
Der Standort:
Anfang 1987 bestätigte das Kultusministerium die mietfreie Überlassung des landeseigenen Hauses im Reiherswaldweg 5 in Ottweiler. Das ehemalige Internatsgebäude, bis dahin dem benachbarten Gymnasium angeschlossen, wurde unter der Federführung des Staatlichen Hochbauamtes in den drei oberen Etagen für die neue Zweckbestimmung umgebaut. Mit einem Festakt am 10. Juni 1989 öffnete die Landesakademie ihre Pforten.
In den Jahren 1996/97 wurde das Haus mit Sondertotomitteln in Höhe von 450.000,- DM außenisoliert und renoviert. Der über Jahre favorisierte Umbau der benachbarten alten Schulturnhalle als Aufführungs- und Proberaum wurde nach vorhersehbaren Schwierigkeiten beim Schallschutz und bei der Nutzbarkeit 1999 gestoppt.
Die Zusage des Landes zur Übernahme einer Ausfall-Bürgschaft und die finanziellen Zuwendungen aus Sondertotomitteln der Staatskanzlei führten im Jahr 2000 mit Unterstützung des damaligen Kultusministers Jürgen Schreier zur Planung und dem schnell voranschreitenden Neubau eines großen Übungsraumes mit Eingangsbereich in Anbindung an das Haupthaus (Ellipse). Es wurden 3710 cbm umbauter Raum mit einer Nutzfläche von 570 qm mit Gesamtkosten von ca. 4,5 Millionen DM Ende des Jahres 2002 fertig gestellt. Zusammen mit dem Anbau eines Fluchttreppenhauses mit Fahrstuhl an der Stirnseite des Haupthauses und der Neugestaltung der Küche sowie des Ausgabebuffets belief sich die Gesamtfinanzierung auf ca. 2,5 Millionen Euro.
Eine Renovierung der Flure und des Treppenhauses, der Übernachtungszimmer, der Seminarräume, des Bistros und des Fernsehraums folgte, so dass die Landesakademie nunmehr gehobenem Hotelstandard entspricht. Dazu trägt auch der besucherfreundliche Service an der Rezeption und in der Küche bei. Die Verwaltung präsentiert sich modern und kundenfreundlich mit Online Präsentations- und Buchungssystem. Die Ausstattung, technisch und instrumental sowohl für Theorie- als auch für Praxisunterricht, wird ständig verbessert.
Im Haupthaus befinden sich 33 Ein- und Zweibettzimmer mit Nasszellen, die Küche, der Speiseraum, das Bistro, ein Fernseh- und Sportraum sowie die Verwaltung. Insgesamt 16 Übungsräume in der Größenordnung von 20 bis 210 qm sind auf die einzelnen Gebäudeteile (Haupthaus, Ellipse und Villa Landrat) verteilt. Die hochwertige technische und elektro-akustische Ausstattung sowie ein breit gefächertes Instrumentarium stehen allen Nutzern kostenfrei zur Verfügung.
Für eine hohe Kundenzufriedenheit spricht auch die wachsende Auslastung. In den letzten Jahren verzeichnete die Landesakademie pro Jahr durchschnittlich rund 15.000 Tagesgäste in Lehrgängen, Workshops, Seminaren und Proben, ca. 5.000 Übernachtungen wurden jährlich gezählt.
Mit der Vertragsunterzeichnung im Juni 2004 verkaufte das Saarland (Ministerium für Finanzen und Bundesangelegenheiten) die alte Schulturnhalle im Reiherswaldweg an die Landesakademie. Einbezogen in die Eigentumsübertragung wurden sowohl die bebauten Grundstücke wie auch der Gebäudebestand selbst. Durch die großzügige Preisfestsetzung des Landes ist die Landesakademie nun stolze Eigentümerin des gesamten Areals.
Die Aufgaben:
Für die Arbeit der Landesakademie birgt die weit gefasste Aufgabenstellung in § 2 der Satzung und die Heterogenität der Bildungserwartungen der verschiedenen Mitglieder im Trägerverein eine Vielzahl von Gestaltungsmöglichkeiten:
• Aus-, Fort- und Weiterbildung im musisch-kulturellen Bereich für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren/Seniorinnen, von Ensembleleitern/-leiterinnen aller Art;
• Fort- und Weiterbildung von Musiklehrern/-lehrerinnen;
• Planung und Durchführung von verbandsübergreifenden Projekten.
Die Bandbreite reicht von der reinen Belegakademie bis hin zu der pädagogisch dominanten Angebotsakademie. Mit der Berufung eines Projektleiters, der mit 18 Deputatstunden vom Kultusministerium zur Landesakademie abgeordnet wurde, konnte unserem Haus einen Planungshorizont für sinnvolles Handeln gegeben werden, es verlieh ihm ein eigenständiges musisch-kulturelles und pädagogisches Profil. Verbandsübergreifende Projekte sollen vor allem Kindern und Jugendlichen eine breit gefächerte musisch-kulturelle Ausbildung ermöglichen:
Kulturelles Praktikum
Ensembleleiter/-innen aus den Verbänden führen Musikarbeitsgemeinschaften in Schulen durch.
Musikmentorenausbildung
Interessierte Schülerinnen und Schüler werden als Hilfskräfte für die Ensemblearbeit in Schule und Verein ausgebildet.
Gruppenleiterseminar der
„Jungen Musiker Saar“
Jugendliche werden in den formalen und rechtlichen Grundlagen der Gruppenleitung ausgebildet.
Seminar für Führungskräfte
im Verein
Vereinsrecht, Gemeinnützigkeit, Öffentlichkeits- und Pressearbeit, Steuern, Versicherungen, Vereinsverwaltung.
Musik als Sprache der
Europäischen Jugend
Jährliches, internationales Instrumentalseminar für Jugendliche.
Pädagogische Tage
für Grundschulen und
Kindergärten
Erzieher/-innen aus Kindergärten sowie Grundschullehrer/-innen werden in Musikpädagogik weitergebildet.
Musiktage für
Schulklassen
Schulklassen aller Schulformen haben die Möglichkeit, einen oder mehrere Tage unter musikpädagogischer Anleitung zu arbeiten.
Präsentation der
Kooperationen
Die Arbeitsergebnisse aus den Kooperationen von Schulen und musisch-kulturellen Verbänden werden von den Schülerinnen und Schülern an zwei Tagen in der Landesakademie vorgestellt.
Fortbildungen in musikalischer Früherziehung für Lehrer/innen
und Erzieher/innen
Jährliche Fortbildungswoche in Zusammenarbeit mit der Orff-Schulwerkgesellschaft.
Konzerte für Schüler/innen im Rahmen des Kulturellen Wandertages
Vom Ensemble Radio-Brass-Saar der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern und versierten Rundfunkmoderatoren präsentiert.
Bündnis Singen mit Kindern
Ausbildung von Grundschullehrern/-lehrerinnen und Erzieherinnen/Erziehern an ausgewählten Liedern zur Didaktik sowie Methodik der Liederarbeitung und des Singens mit Kindern.
Neue Musik
Moderierte Konzerte zum Verständnis Neuer Musik besonders für Jugendliche.
Erzieherinnenausbildung
Zertifizierte Ausbildung von Erzieherinnen im Bereich Elementare Musikpädagogik in Kooperation mit der Hochschule für Musik Saar.
Musisch-kulturelle Aktivitäten finden „vor Ort“ statt, also in den Städten und Gemeinden, in denen die Vereine und Institutionen ihre Heimat haben. So richtet sich die Aus-, Fort- und Weiterbildungsarbeit der Landesakademie hauptsächlich an die einzelnen Musiker, Sänger, Tänzer, Schauspieler, Vereine und Schulen. Ziel ist es, die kommunale und regionale Kulturarbeit auf musisch-kulturellem Gebiet zu stabilisieren und zu befruchten. Hierdurch strahlt die Wirkung der Akademie bundesweit in das Leben der Städte und Gemeinden hinein. In der Landesakademie selbst erweist sich die musisch-kulturelle Arbeit als kommunikatives und verbindendes Element für die Menschen. Der Begegnungscharakter in der Landesakademie hat auch einen hohen sozialen Stellenwert: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ sagt Martin Buber. Ja, unser Leben insgesamt ist die Geschichte unserer Begegnungen.
Die Landesakademie versteht sich als Ort der Vermittlung für Kunst, Kultur; als Arbeits-, Fortbildungs- und Begegnungsstätte für die saarländische Amateurmusikszene. Sie will Partnerin im Netzwerk Kultur sein, eine Managementstelle mit vielerlei Beratungs-, Informations-, Unterstützungs-, Motivations- und Koordinierungsaufgaben, sozusagen ein „Durchlauferhitzer für Kreativität“. Dabei müssen wir uns weiter profilieren in Richtung Schaltstelle, Drehscheibe und Angelpunkt musisch-kulturellen Agierens.
In unserem Hause haben nicht nur musikalische Aus-, Fort- und Weiterbildung im Amateurbereich ihre Heimstatt, sondern auch Tanz- und Schauspielelemente sowie das karnevalistische Brauchtum. So ist es zwingend, das Adjektiv „musisch“ (kunstliebend, kunstverständig) dem Begriff „kulturelle Bildung“ hinzuzufügen. Damit erst wird der Wesenszug der Landesakademie in Ottweiler verdeutlicht. „Musisch“ ist kein „epitheton ornans“ (schmückendes Beiwort). Im Gegenteil: es bedeutet mehr als nur musikalische Bildung und ist nicht mit „musikalisch“ zu verwechseln; sie bildet einen Überbegriff dazu. Es bezieht sich einmal auf die Inhalte der Musik, gleichzeitig aber auch auf Inhalte von Dichtkunst und Tanz, der darstellenden und bildenden Kunst. Musische Bildung erstrebt die Förderung und Pflege des dem Menschen eigenen und ursprünglichen Verhältnisses zu Kunst und Kultur. Der Kern der „musischen Bildung“ ist der kreative Umgang mit den eigenen schöpferischen Kräften.
Wir sehen: Die saarländische Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung entwickelt nicht nur ihre eigene Prägekraft unter dem Motto: „Wer aufhört besser zu werden, hat aufgehört gut zu sein“. Sie hat zudem eine langfristige Perspektive.
Dass die Landesakademie als musisch-kulturelles Kommunikationszentrum und Aktionsfeld ihre Bestimmung nicht im Beharren auf alten Strukturen sucht, sondern in der Bereitschaft, immer wieder neue Wege zu beschreiten, wird täglich durch die verschiedensten Aktivitäten der Mitgliedsverbände dokumentiert. Wir können nicht stehen bleiben, wenn um uns herum die ganze Welt in Bewegung ist. Wir müssen mit Wandlungen und Veränderungen leben, aber stets das Beste daraus machen.
Wir werden daher - der Zukunft zugewandt - an diesem Haus couragiert, engagiert, und auf kritische, konstruktive Art und Weise weiterbauen. Dazu benötigen wir ein gutes Binnenklima, Beständigkeit, Flexibilität im Denken, Durchsetzungsvermögen, Integrationskraft, Innovationsfreude und stetige Anpassungsbereitschaft. Auch daran arbeiten wir ständig; wohl wissend, dass damit das Mögliche entsteht, das Unmögliche immer wieder versucht werden muss. Das Wesen der Geschichte ist der Wandel. Dem können wir uns nicht entziehen. Umso mehr ist innovatives Suchen nach neuen Antworten, positives Denken, zupackende Fantasie und Gestaltungswille, Ideenreichtum und Wagemut von uns gefordert. Wer festhält, was verändert werden muss, verliert alles! Wir müssen an uns selbst glauben! „Wenn es einen Glauben gibt, der Berge versetzen kann, dann ist es der Glaube an die eigene Kraft“
(von Marie Ebner-Eschenbach).
Die ehrenamtlich Verantwortlichen sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Landesakademie tun alles, damit in diesem Hause ein optimales Aufenthalts- und Arbeitsklima herrscht. In dem Bewusstsein, dass sie ein Zentrum unmittelbarer kommunikativer Erfahrung, ein Kristallisations- und Brennpunkt, eine Topadresse für alle im musisch-kulturellen Umfeld tätigen Menschen ist und bleiben wird!
