Dieter Boden

SMS - Singen macht Schule

Die Idee
Leise vor sich hin summen, nur so als Zeitvertreib, begeistert den Lieblingskünstler nachahmen, mit Freunden stolz vor großem Publikum spielen, tanzen und singen. Jedes Kind liebt das Singen und hat Freude an der Bewegung. Kinder suchen die Musik auf ihre Weise und das ist gut so.

Nach dem ersten PISA-Schock stellte man fest, dass die Länder, in denen praktisches Musizieren im Schulunterricht gepflegt wird, im Ranking die ersten Plätze belegten. In diesen Ländern ist „Musikschule“ mit ihren Leistungen längst als fester Bestandteil des Bildungssystems akzeptiert und installiert. In Deutschland hingegen wird die musikalische Bildung unserer Kinder und Jugendlichen auf den Status einer „sinnvollen Freizeitbeschäftigung“ reduziert und dadurch auch im Rahmen der Finanzierung durch die öffentlichen Träger als eine freiwillige Leistung ohne jegliche Verpflichtung gesehen.

So bleibt die musikalische Bildung den Kindern vorbehalten, deren Eltern willens und in der Lage sind, die Kosten zum größten Teil selbst zu tragen. Mit dem Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ wird in einigen Bundesländern versucht, diesem Missstand entgegen zu wirken. Der finanzielle und organisatorische Aufwand, jedem Kind verpflichtend Instrumentalunterricht zu erteilen und ein Instrument zur Verfügung zu stellen, ist jedoch enorm hoch. Leichter zu realisieren ist das Vorhaben einiger Musikschulen in Nordrhein-Westfalen, musikalische Bildung über die Stimme in die Schulen zu tragen.

„Kinder erleben Musik durch Musizieren und Singen ist die ursprünglichste Art, Musik zu machen.“ Das ist der Kerngedanke des Projektes „Singen macht Schule“ der Musikschule im Landkreis Merzig-Wadern, mit dem erstmals im Saarland die Kinder eines Geburtsjahrganges einer Gemeinde die Möglichkeit erhalten, Musik durch Sprechen und Singen zu erleben und die eigene Stimme als kreatives und künstlerisches Ausdrucksmittel zu entdecken. Die Stimme bietet wunderbare Möglichkeiten, Kinder in ihrer musikalischen, emotionalen und sozialen Entwicklung zu fördern. Zudem ist Singen für jedes Kind erlernbar, fördert die Sprachkompetenz und ist jederzeit und überall möglich. Als kreatives und emotionales Ausdrucksmittel eröffnet das Singen den Zugang zur gesamten Musikkultur.

Die Musikschule im Landkreis Merzig-Wadern legt bei ihrer pädagogischen Arbeit besonderen Wert darauf, möglichst allen Kindern, unabhängig von gesellschaftlichem Hintergrund oder finanzieller Situation, den Zugang zur Musik zu ermöglichen. Dieses Ziel kann nur durch ein für die Eltern kostenfreies Angebot an dem Ort erreicht werden, wo alle Kinder eines Jahrgangs zusammenkommen – bei der Einschulung in die Grundschule.

Die Ausgangssituation
In den Grundschulen existieren im Pflichtbereich neben den zwei (2) Musikstunden (Regelunterricht) noch Förderstunden, von denen eine für ein musisches Fach genutzt werden soll. Daneben besteht noch die Möglichkeit des Angebotes von Arbeitsgemeinschaften, die im freiwilligen Ganztagsbereich angesiedelt werden.

Es kann festgestellt werden, dass eine Chor AG in einer Grundschule vorhanden ist, wenn ein engagierter Musiklehrer an der Schule tätig ist und wenn Deputatstunden für diese Arbeit zur Verfügung stehen. Auch im Rahmen der Kooperation von Schule und Verein haben sich zahlreiche AGs etabliert. Zusätzlich werden den Kindern im Rahmen des Projektes „Muse“ und im Rahmen des Bündnisses für Singen an Schulen musikalische Angebote gemacht.
Diese Maßnahmen finden im freiwilligen Bereich der Schule statt und erreichen naturgemäß nur kleine Teile der Schülerschaft.

Die Durchführung
Durch das Projekt „Singen macht Schule“ wird eine der beiden Musikstunden im Regelunterricht durch chorische Arbeit ergänzt. Die Kernlehrpläne für Musik in der Grundschule werden in die Unterrichtskonzeption eingearbeitet. Die Lehrkraft der Grundschule unterrichtet im Tandem mit der Lehrkraft der Musikschule (Teamteaching). Es werden alle Kinder erreicht, unabhängig von Herkunft und sozialem Milieu. Der Unterricht wird kostenfrei für die Eltern angeboten.
Die Kinder entwickeln ihre Stimme und lernen, sich über ihre Stimme auszudrücken. Sie werden in ihren kognitiven und sozialen Fähigkeiten gestärkt. Insbesondere die Erlangung und Stärkung der Sprachkompetenz spielt eine entscheidende Rolle. „Singen macht Schule“ ergänzt und bereichert den Musikunterricht in den Grundschulen. Dies ist insbesondere der Fall, wenn das Fach Musik an der Grundschule in Ermangelung einer Musiklehrkraft fachfremd unterrichtet werden muss.

Die Unterrichtsinhalte
Die zu vermittelnden Kompetenzen gehen weit über die reine Chorarbeit hinaus. Der Kernlehrplan des Kultusministeriums im Fach Musik wird durch Elemente aus Sprecherziehung, Stimmbildung und Gesang sowie Rhythmik und elementarer Musikerziehung ergänzt. Diese Module greifen integrativ mit Unterrichtsinhalten wie Bodypercussion, Spiel mit einfachen Instrumenten, Musik machen, hören und umsetzen, Notation und Instrumentenkunde ineinander. Im Tanz werden Körperwahrnehmung und richtiges Atmen geschult.
Kurz: Die Kinder lernen die musikalischen Grundparameter und lernen, sich über Musik zu verständigen. Insbesondere werden Sprachentwicklung und interkultureller Dialog gefördert.

Die Kooperationspartner
Frau Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerin für Bildung, Familie, Frauen und Kultur, hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. Der Bürgermeister der Gemeinde Beckingen, Herr Erhard Seger, unterstützt das Projekt ebenfalls. Auch der Saarländische Chorverband ist mit von der Partie.

Der Beginn
Das Projekt startet im Schuljahr 2009/2010 in den drei Grundschulen der Gemeinde Beckingen (Beckingen, Reimsbach und Düppenweiler). Niemals zuvor hat in dieser Form eine komplette Generation einer Gemeinde im Saarland gemeinsam gesungen. Dieser „Erstklässlerchor“ umfasst 130 Mädchen und Jungen aus sechs Klassen.

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1/2009
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