DEUTSCHER MUSIKRAT:

Zukunft Musik:
Laienmusizieren in Deutschland

Lebendiges Musikleben in einer
werteorientierten Gesellschaft

Resolution der Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates 2006

Deutschland zeichnet sich durch ein immer noch vielfältiges und hochwertiges Musikleben aus. Das Laienmusizieren ist ein Fundament dieses lebendigen Musiklebens und Teil eines Netzwerkes, das in allen Bereichen gesellschaftlichen Lebens hineinwirkt. Für viele Bürgenrinnen und Bürger, gleich welcher sozialen oder ethnischen Herkunft, ist das Musizieren und das Erleben von Musik in unterschiedlichsten Stilrichtungen ein unverzichtbarer Teil ihres Lebens. Durch das Laienmusizieren eröffnen sich im Dialog der Kulturen und der Generationen Begegnungswelten, die Voraussetzung für eine humane Gesellschaft von heute und morgen sind.
Die rund 7 Millionen Menschen, die sich für das Musikland Deutschland ehrenamtlich engagieren, zeigen damit ein hohes Maß an Motivation, Identifikation und Mitverantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaft. Mit ihrem Bürgerschaftlichen Engagement für ein lebendiges Musikleben sind sie für die professionellen Orchester und Musiktheater genauso von grundlegender Bedeutung wie für die Kreativwirtschaft und die Einrichtungen der schulischen und außerschulischen Bildung.
Die Laienmusikszene bildet die sichtbare Spitze eines Kreativitätspotentials. Sie droht zu zerfallen, wenn nicht dem Ausfall und dem Zurückdrängen von Musikunterricht in der Schule oder kürzungsbedingt verschlossenen Musikschultüren endlich wirksam gegengesteuert wird. Diese Kreativitätspotentiale gilt es im Sinne des 2. Berliner

Appells des Deutschen Musikrates zu entdecken, weiter zu entwickeln und zu fördern, weil sie eine der grundlegenden Voraussetzungen für den Weg Deutschlands in eine Wissens- und Kreativgesellschaft sind.
Die Mitgliederversammlung des Deutschen Musikrates fordert den Deutschen Bundestag, die Bundesregierung, die Länder und Kommunen auf, eine nachhaltige Trendwende in die Kreativitätsförderung einzuleiten und damit die Rahmenbedingungen für das Laienmusizieren in Deutschland deutlich zu verbessern. Neben den ordnungspolitischen Maßnahmen gehört dazu die eindeutige Prioritätensetzung, mehr Haushaltsmittel in nachhaltige Strukturen des Laienmusizierens und der musikalischen Bildung zu investieren.

Dazu gehören unter anderem:
• Die spürbare Entbürokratisierung in allen das Laienmusizieren betreffenden Regelungsgebieten
• Die Verschlankung des Zuwendungsrechts durch die durchgängige Einführung der Festbetragsfinanzierung und die Einführung einer Bagatellgrenze, die die Anzahl der Vorschriften reduzieren würde
• Vereinfachte Regelungen zur Erlangung der Gemeinnützigkeit für kleinere Vereine
• Anerkennung der Mitgliedsbeiträge als steuerabzugsfähige Ausgaben
• Anpassung der Bemessung der Übungsleiterpauschale an die Lebenshaltungskosten und Erhöhung auf derzeit mindestens € 2.454.-
• Eine vereinfachte Steuererklärung, die bis zu einer noch zu vereinbarenden Gewinngrenze von der Körperschaftssteuer befreit wird
• Die Initiierung und Finanzierung von Pilotprojekten des Bundes, die als Impulsgeber in die Länder und Kommunen hineinwirken
• Die stärkere Einbindung der Laienmusikensembles in die Auswärtige Kulturpolitik im Sinne eines verstärkten Dialoges der Kulturen
• Eine Anerkennungskultur Bürgerschaftlichen Engagements, die sich über Symbole hinaus in der wirksamen Verbesserung der Rahmenbedingungen des Laienmusizierens ausdrückt
• Eine durchgängige musikalische Bildung in Kindergarten, Schule und außerschulischen Bildungs- und Kultureinrichtungen, die Musik vermitteln.

Berlin, 20. Oktober 2006

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